Wofür werden Löschdecken verwendet?
Löschdecken sind ein bewährtes und vielseitig einsetzbares Mittel im Brandschutz. Sie werden eingesetzt, um Brände zu ersticken, zu isolieren und deren Ausbreitung zu begrenzen, insbesondere dort, wo der Einsatz von Löschmitteln wie Wasser oder Pulver zu hohen Folgeschäden oder Betriebsunterbrechungen führen würde.
Typische Einsatzbereiche sind der private, gewerbliche und öffentliche Bereich, darunter Wohnungen, Büros, Schulen, Werkstätten, Laboratorien sowie Sonderbereiche wie Theater, Filmproduktionen oder Schaustellereien.
Ein zunehmend relevantes Einsatzgebiet ist der Umgang mit Bränden von Lithium-Ionen-Batterien, wie sie in Elektroautos, E-Bikes, E-Scootern, elektrisch betriebenen Gabelstaplern und stationären Batteriesystemen vorkommen.

Vorteile von Löschdecken
- Schnelle und intuitive Anwendung
- Kein Ablaufdatum laut Hersteller; regelmäßige Sichtprüfung empfohlen
- Die Decke selbst benötigt kein Löschwasser und kein Löschpulver; zusätzliche Kühlmaßnahmen durch die Feuerwehr können trotzdem erforderlich sein
- Haushaltsdecken einfach zu handhaben; Fahrzeugdecken nur durch geschultes Personal
⚠️ Hinweis:
Löschdecken ersetzen in der Regel nicht vorgeschriebene Feuerlöscher, sondern stellen eine sinnvolle Ergänzung der Brandschutzausstattung dar.
Einsatzgrenzen von Löschdecken – was ist zu beachten?
Nach Angaben der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) sind Löschdecken nicht geeignet für:
Speiseöl- und Fettbrände (Brandklasse F)
- Erhöhte Verbrennungs- und Verletzungsgefahr
- Für diesen Einsatz sind zugelassene Fettbrandlöscher bereitzustellen
Personenbrände
Der Einsatz von Löschdecken bei brennenden Personen birgt erhebliche Risiken:
- Brennende oder glühende Partikel können auf die Haut gepresst werden
- Gefahr schwerer zusätzlicher Brandverletzungen
Fazit der DGUV (April 2020):
Löschdecken sind zur Bekämpfung von Personenbränden nicht geeignet. Feuerlöscher sind deutlich effektiver und sicherer.
Warum Löschdecken bei Elektroauto-Bränden einsetzen?
Brände von Elektrofahrzeugen unterscheiden sich grundlegend von klassischen Fahrzeugbränden. Ursache ist häufig ein thermisches Durchgehen (Thermal Runaway) der Lithium-Ionen-Batterie.
Nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) werden in Deutschland jährlich rund 15.000 Fahrzeuge durch Brände beschädigt oder zerstört; Kleinstbrände wie Schmorbrände sind darin nicht enthalten (Quelle: ADAC). Diese Zahl umfasst alle Antriebsarten. Mit wachsendem Anteil von Elektrofahrzeugen steigt die Bedeutung spezieller Einsatzmittel.
Herausforderungen bei EV-Bränden
- Hohe Energiedichte der Batterie
- Erschwerte Erreichbarkeit des Batteriepakets
- Gefahr der Wiederentzündung
- Sehr hoher Löschwasserbedarf
Zum Löschwasserbedarf bei Bränden von Elektroautos gibt es bislang kaum belastbare Daten. Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags verweist auf Schätzungen von einigen tausend Litern, gegenüber mehreren hundert Litern bei Verbrennern (Quelle: WD 8 – 002/22, PDF); in Einzelfällen wurde von deutlich größeren Mengen berichtet. In beengten oder abgelegenen Einsatzorten (Tiefgaragen, Tunnel, Fähren, Autobahnen) ist diese Menge oft nicht verfügbar.
Rolle der Löschdecke bei EV-Bränden
Löschdecken dienen hier nicht der vollständigen Löschung, sondern:
- zur Isolation des Brandobjekts
- zur Reduktion von Flammen, Wärmestrahlung und Rauch
- zur Begrenzung der Brandausbreitung
- zum Zeitgewinn für Feuerwehr und Einsatzkräfte
Sie können damit ein wichtiges taktisches Hilfsmittel sein. Einen thermischen Durchgehprozess beendet die Decke allein nicht.
Temperaturen bei Bränden von Elektroautos
Nach Angaben des Herstellers Fire Isolator:
- Batteriebrände beginnen typischerweise bei inneren Temperaturen von etwa 130 bis 150 °C
- Beim thermischen Durchgehen können über 600 °C, in Extremfällen bis etwa 1.000 °C erreicht werden
- Brände können sich nach Minuten oder Stunden erneut entzünden (Quelle: Fire Isolator)
Professionelle EV-Löschdecken sind daher aus hochtemperaturbeständigen Spezialfasern gefertigt und für diese Belastungen ausgelegt.

Wie funktioniert eine Löschdecke?
Eine Löschdecke besteht aus feuerfestem, temperaturbeständigem Gewebe.
Sie wird vollständig über das brennende Objekt gelegt und wirkt durch:
- Begrenzung der Sauerstoffzufuhr zu den äußeren Flammen (Brandgase können weiterhin durch das Gewebe austreten; bei Lithium-Ionen-Batterien wird das thermische Durchgehen dadurch nicht gestoppt)
- Abschirmung von Flammen und Hitze
- Eindämmung von Rauch und Funkenflug
Richtige Anwendung einer Löschdecke
- Decke weit ausgespannt über den Brandherd ziehen
- Abstand halten, Decke nicht werfen
- Grifftaschen zum Schutz der Hände nutzen
- Brandobjekt vollständig abdecken
- Decke möglichst nicht vorzeitig entfernen
👉 Der Einsatz sollte – insbesondere bei EV-Bränden – nur durch geschultes Personal erfolgen.
Aufbewahrung und Lagerung
- Trocken, sauber und vor UV-Strahlung geschützt
- In geeigneter Aufbewahrungsbox oder Tasche
- Grifftaschen außen sichtbar für schnellen Zugriff
- Regelmäßige Sichtprüfung auf Beschädigungen
Wiederverwendbarkeit
- Haushalts-Löschdecken: in der Regel Einwegprodukte
- Professionelle EV-Löschdecken: teilweise mehrfach verwendbar, sofern vom Hersteller ausdrücklich freigegeben
Welche Größe sollte eine Löschdecke haben?
- Elektroautos: je nach Modell 9 × 6 m oder 8 × 6 m
- E-Bikes / E-Scooter: ca. 3 × 3 m
Die Decke muss das Objekt vollständig abdecken, um wirksam zu sein. - Sondergrößen z. B. für Paletten mit Lithiumbatterien, IBC mit entzündbaren Flüssigkeiten, Container, LKW, Militärfahrzeuge – auch als Brandschutzabdeckhauben im Lager oder auf Schiffen einsetzbar – auf Anfrage erhältlich
Was zeichnet eine hochwertige Löschdecke aus?
- Nachgewiesene Feuerbeständigkeit (z. B. EN-, ISO-, NFPA-Referenzen)
- Hohe maximale und dauerhafte Temperaturbeständigkeit
- Durchdachter Umgang mit Brandgasen (Herstellerangaben beachten)
- Reißfestigkeit und mechanische Stabilität
- Ausreichende Größe für den Anwendungsfall
- Geeignet für professionelle Einsatzszenarien
Fazit
Löschdecken sind ein wichtiges und ergänzendes Brandschutzmittel.
Insbesondere bei Elektroauto- und Lithium-Ionen-Bränden ermöglichen sie:
- Begrenzung der Brandausbreitung
- Schutz von Personen und Infrastruktur
- Zeitgewinn für Feuerwehr und Einsatzkräfte
Richtig ausgewählt und eingesetzt, können sie ein sinnvoller Bestandteil moderner Brandschutzkonzepte sein.
Von der Information zur passenden Ausrüstung
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